Im Kellerwald sind Gegner und Befürworter versöhnt

Informationsfahrt des Freundeskreises Pro Pro Nationalpark Steigerwald in den hessischen Buchen-NationalparkDer Freundeskreis Pro Nationalpark Steigerwald hatte zu einer Informationsfahrt in den Nationalpark Kellerwald-Edersee eingeladen.

Unter den 40 Teilnehmern befanden sich sowohl Gegner als auch Befürworter eines Nationalparks Steigerwald, ist einer Pressemitteilung des Freundeskreises zu entnehmen. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND und des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), und der Landesbeauftragte des BN, Richard Mergner, leiteten die Exkursion.

Als Vertreter der Naturschutzverbände auf Landkreisebene nahmen der Kreisgruppenvorsitzende des BN Schweinfurt, Ernst Bohlig, und der Kreisgruppenvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz (LBV) Bamberg, Thomas Stahl, teil. Die Fahrt führte zum 2008 neu eröffneten Nationalparkzentrum in Vöhl-Herzhausen in Hessen. Das sieben Millionen Euro teure Zentrum wurde von der Gemeinde mit Geldern des Landes Hessen und Fördergeldern der EU und der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt (DBU) gebaut. Das Nationalparkamt (Bad Wildungen) steht unter forstlicher Leitung.

Nach der Begrüßung im Zentrum erfolgte eine Führung durch die Ausstellung, die moderne Elemente enthält. Hier gibt es einen 3D-Film von den schönsten Altbuchengebieten im Kellerwald, kombiniert mit fühlbaren Effekten. Im Spechthöhlen-Raum bekommt man durch digitale Projektion den Eindruck vermittelt, man säße persönlich in dieser Höhle. In einem anderen Raum landen digital animierte Schmetterlinge auf dem eigenen Schatten an der Wand. Nicht nur für die teilnehmenden Kinder ein Riesenspaß.

Nach dem Mittagessen berichtete Bürgermeister Harald Plünnecke aus Vöhl von seinen Erfahrungen mit dem Nationalpark. Nach erheblichen Konflikten im Vorfeld der Einrichtung seien inzwischen fast alle ehemaligen Gegner aufgrund der positiven Effekte in der Region zu Befürwortern geworden. „Heute gibt es kaum mehr ein Gegeneinander, es gibt ein Miteinander.“ Der Gegner-Verein habe inzwischen zusammen mit dem Verein „Pro Nationalpark“ einen Nationalpark- Förderverein gegründet.

Die zahlreichen Fragen der Bürger aus dem Steigerwald wurden in der anschließenden Diskussionsrunde vom Bürgermeister selbst, der Assistentin des Nationalparkleiters, Nicole Backhaus, und Hubert Weiger ausführlich beantwortet.

Anschließend führte Andreas Schöneweiß die Gruppe auf den Hagenstein. Hier konnte man urige Buchen und knorrige Traubeneichen bewundern, die trotz ihres Alters von mehreren hundert Jahren, bedingt durch Wachstum am Steilhang auf nahezu oberbodenfreiem Gestein, nur wenige Meter hoch sind. Schöneweiß schilderte dabei seinen Weg vom Skeptiker zum Befürworter und aktiven Unterstützer des Nationalparks, so die Pressemitteilung.

Auch im Kellerwald gab es heftige Diskussionen, die auf eine anfängliche Unterversorgung der Bevölkerung mit wirklicher Information zurückzuführen waren. Etwa 15 Jahre nach den ersten Bestrebungen wurde dann 2004 der Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgewiesen.

Schöneweiß, dessen Vater in der Forstwirtschaft tätig war, fuhr damals zu einem Besuch in den Nationalpark Bayerischer Wald und betrachtete die Situation vor Ort. Es beeindruckte ihn, wie dort Raum für Natur geschaffen wurde. Nach Besichtigung einiger Ferienwohnungen beschloss er, diesen Weg ebenfalls zu beschreiten und sich neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit ein zweites Standbein zu errichten.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten baut er mittlerweile seine zweite Ferienwohnung. Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Lage hatte er Bedenken, die Kunden könnten ausbleiben, aber das Gegenteil war der Fall. Mehr Bürger machen nun Urlaub im eigenen Land und besuchen die deutschen Nationalparke.

Die Fahrt war für alle Teilnehmer sehr interessant. In Kürze soll eine Fahrt in den Nationalpark Bayerischer Wald folgen, heißt es abschließend im Bericht.

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