Ein Dorf zeigt Flagge
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Zentrum Nachhaltigkeit Wald: Dass es den Anschein hat, sie seien gegen das Projekt, wo doch die überwältigende Mehrheit im 120-Seelen-Ort dafür ist, das wurmt viele Handthaler.
Sie wollen keinen Unfrieden in der kleinen Ortschaft. Das betonen sie an diesem Abend immer wieder ausdrücklich. Dass es aber aufgrund einer kleinen, sehr aktiven Gruppe von Gegnern draußen den Anschein hat, als seien „die“ Handthaler gegen das Zentrum Nachhaltigkeit Wald (ZNW), wo doch die überwältigende Mehrheit im Dorf dafür ist, das wurmt und fuchst sie schon gehörig. Und die Zahl der Leute aus dem 120-Seelen-Ort, die Ernst Nöth auf die Schnelle für den spontanen Pressetermin zusammentrommelt, ist in der Tat beeindruckend. Ein Dorf zeigt Flagge.
Oder wie es Barbara Baumann später ausdrücken wird: „Ich würde mich freuen, wenn ich in dem Bericht in der Zeitung lesen kann, die große Mehrheit in Handthal sagt Ja zum Zentrum und freut sich darauf.“
Als der Reporter nach dem Tisch mit den Befürwortern des Projekts im „Forellenhof“ Ausschau hält, findet er ihn zunächst nicht gleich auf Anhieb. Denn diejenigen, die er sucht, sitzen nicht in überschaubarer Runde irgendwo am Nebentisch, sondern alle drinnen in großer Runde in der großen Gaststube.
Es sind gut und gerne an die 25 Erwachsene, die gekommen sind, um zu demonstrieren, dass sie hinter dem ZNW stehen, und um dem angestauten Ärger über die in ihren Augen zu negativen Berichte Luft zu verschaffen.
„Nur ein kleiner Kreis ist dagegen“
Ernst Nöth macht dann auch gleich deutlich: „Es sind bestimmt 90 Prozent der Handthaler dafür, wenn nicht mehr, und nur ein sehr kleiner Kreis ist dagegen“.
Dann ist die Diskussion eröffnet. Als Erster ergreift Edmund Bayer das Wort. Er sagt: „Wir können uns der Zukunft nicht verschließen und müssen auch an die nachfolgenden Generationen denken. Ich bin froh, dass die Staatsregierung Handthal gefunden hat und hier so viel Geld investiert.“
Und weiter gibt er zu bedenken: „Der Staat gibt uns die Möglichkeit zur Entfaltung. An dem Strick sollten wir ziehen. Andere, die nicht zum Zug gekommen sind, wären froh darüber. Wir sind ein strukturschwaches Gebiet und haben hier keine Industrie oder dergleichen. Ein gewisses Wachstum muss sein.“
Ernst Nöth pflichtet ihm bei: „Wenn ich nichts zulasse, dann ist die Ortschaft irgendwann tot. Man kann nicht bloß an sich denken und Ansprüche stellen. Die Gegner sollten akzeptieren, dass die große Mehrheit dafür ist.“ In einem Anflug von Selbstkritik räumt er allerdings ein: „Vielleicht waren wir zu lange ruhig.“
Hermann Kraiß bringt einen anderen Aspekt ins Spiel und trifft damit die Gefühls- und Stimmungslage vieler im Raum: „Wir wollen nicht zurück in alte Zeiten. Viele in Handthal haben Arbeit im Weinbau und Fremdenverkehr gefunden.“
Der Stolz der Handthaler
Der Stollberg-Wirt bringt damit den Stolz der Handthaler zum Ausdruck, den Umbruch weg vom „Kuh- und Bauerndorf“, hin zu einer der Perlen im Steigerwald geschafft zu haben. Sein Vater Ignaz Kraiß, 30 lange Jahre von 1948 bis 1978 Handthals Bürgermeister, hatte einst die Devise ausgegeben, auf Weinbau, Gastronomie und Landschaft zu setzen. Von der Landwirtschaft allein könne man sich hier auf Dauer nicht ernähren.
13 Jahre ist der „Naaz“ nun tot, aber sein Vermächtnis lebt und Handthal lebt mehr denn je stark von den Gästen, die hier wandern, einkehren, Wein kaufen oder Urlaub machen. Ignaz Kraiß als bodenständiges Original mit Weitblick, sollte Recht behalten. Und durch den Verzicht auf den Bau der Straße nach Michelau hat er dem Ort zugleich seinen Insellagen-Charme bewahrt.
An diese Leistungen knüpft Manfred Baumann an, sich an seine Kindheit, an Weinbergsbereinigung und andere Herausforderungen der damaligen Zeit erinnernd: „Es war kein einfacher Weg, sondern eine harte Zeit. Sie hat unseren Eltern viele Opfer, auch finanziell, abverlangt.“ Und mit Blick auf Neubürger, die sich gegen das ZNW wehren, sagt er: „Den Umbruch nicht selbst miterlebt zu haben, ist vielleicht der Grund, warum man manches jetzt nicht nachvollziehen kann.“
Baumann: „Wir passen unheimlich auf“
Das Wald-Informationszentrum ist für den engagierten Gemeinderat eine große Chance für die Zukunft. Außerdem ist er sich sicher, dass man Handthal baulich nicht auf den Kopf stellen werde. Vielmehr gehe es darum, den Ort verantwortungsvoll und in aller Ruhe weiterzuentwickeln. Das gelte auch für die dringend benötigten Bauplätze, damit die Jungen da bleiben. Der Winzer: „Wir sind nicht unkritisch und blind, sondern passen unheimlich auf unser Dorf auf.“
Das sieht auch Adolf Kraiß in der kleinen „Bürgerversammlung“ so: „Ich glaube nicht, dass das Bildungs- und Informationszentrum Handthal verschandelt. Die Gebäude und der Parkplatz passen sich meiner Meinung nach gut an die Landschaft an.“
Alois Kraiß vom „Winzermännle“ zeigt sich ebenfalls positiv überrascht von der Planung, spricht von einer „insgesamt gelungenen Sache“.
„Sind wir dankbar, dass die gesamte Marktgemeinde das alles mit dem ZNW so mitträgt. Wir werden auch von keiner Blechlawine überrollt. Und der Parkplatz am Ortsteingang, wenn er schön gemacht ist, ist für alle von Nutzen. Schauen wir zusammen nach vorne, offen für das, was kommt“, das ist der Herzenswunsch von Barbara Baumann.
Peter Römer bekennt, anfangs durchaus skeptisch gewesen zu sein, vor allem wegen des Verkehrs. Inzwischen sehe er das Ganze aber positiv. Der Verkehr werde vor dem Ort abgefangen und der geplante Großparkplatz, den jetzt manche nicht wollten, die ihn einst gefordert hätten, entlaste das gesamte Dorf. Überhaupt gäben sich Projektmanager und Planer des ZNW allergrößte Mühe.
Bernd Lust vom gleichnamigen Café im Ort bringt die Diskussion schließlich auf den Punkt, indem er mit Blick auf weitere Millionen Euro, die im Zusammenhang mit dem ZNW in den Steigerwald fließen sollen, feststellt: „Das Projekt ist nicht nur eine Chance für Handthal, sondern für die ganze Region.“
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